Kupferpatina · Grünspan
Grünspan oder Patina
Beides ist grün, beides sitzt auf Kupfer, und trotzdem hat das eine mit dem anderen chemisch nichts zu tun. Der Unterschied ist keine Wortklauberei, denn einer der beiden Stoffe ist giftig.
Was jeweils dahintersteckt
Der Test mit dem feuchten Tuch
Fahren Sie mit einem feuchten Tuch über die grüne Stelle. Bleibt Grün am Tuch hängen und kommt darunter blankes Metall zum Vorschein, war es Grünspan. Bleibt die Fläche, wie sie ist, haben Sie Patina vor sich.
Der Grund liegt in der Art, wie beide entstehen. Patina wächst aus dem Metall heraus, das Kupfer selbst verwandelt sich in seine Verbindungen. Die Schicht hat keine Kante zum Untergrund, weil sie der Untergrund ist. Grünspan dagegen ist ein Salz, das sich auf der Oberfläche abgesetzt hat, mehr Belag als Schicht.
Was das am Gebäude bedeutet
Wenn an einem Kupferdach oder einer Kupferfassade Grün auftritt, ist es Patina. Sie ist erwünscht, sie schützt, und sie gehört zum Material. Bauherren, die zum ersten Mal ein Kupferdach altern sehen, fragen trotzdem regelmäßig nach Grünspan, weil das Wort im Alltag für jeden grünen Belag benutzt wird.
Die Antwort darauf ist kurz: Für Grünspan bräuchte es Essigsäure, und die gibt es an einer Gebäudehülle nicht. Was Sie sehen, ist das, was Kupfer seit Jahrhunderten macht.
Angaben zu den Verbindungen und zur Entstehung nach dem Informationsdruck i.30 des Deutschen Kupferinstituts sowie allgemeiner Fachliteratur zur Kupferkorrosion.
Fragen zu Grünspan
Ist Grünspan dasselbe wie Patina?
Nein, es sind zwei verschiedene Stoffe. Patina besteht aus basischen Kupferverbindungen, überwiegend Karbonaten und Sulfaten, in Küstennähe kommen Chloride dazu. Sie entsteht durch Luft, Feuchtigkeit und Kohlendioxid. Grünspan ist Kupferacetat und entsteht, wenn Kupfer mit Essigsäure in Berührung kommt. Beide sind grün, sonst haben sie nichts gemeinsam.
Woran erkenne ich, was ich vor mir habe?
Am Verhalten der Schicht. Patina sitzt fest auf dem Metall und lässt sich nicht abwischen, sie ist Teil der Oberfläche geworden. Grünspan liegt pulvrig obenauf und geht mit einem feuchten Tuch ab. Wenn Grün am Lappen hängen bleibt, war es Grünspan.
Ist Grünspan giftig?
Kupferacetat gehört zu den gesundheitsschädlichen Kupfersalzen. Verschluckt oder eingeatmet ist es schädlich, kurzer Hautkontakt gilt als unbedenklich. Patina dagegen ist ungiftig, sie reizt weder Haut noch Atemwege. Deshalb ist die Unterscheidung mehr als eine Wortklauberei.
Kann Grünspan an einer Fassade oder einem Dach entstehen?
Praktisch nicht. Dafür bräuchte es Essigsäure, und die kommt an Gebäudehüllen nicht vor. Was an Kupferdächern und Kupferfassaden grün wird, ist Patina. Grünspan begegnet einem eher in der Küche, an Kupfergeschirr, das mit Essig oder sauren Speisen in Berührung kam.
Muss Patina entfernt werden?
Nein, im Gegenteil. Die Schicht haftet fest, ist in sich stabil und erneuert sich bei Beschädigung selbst. Sie bremst den weiteren Angriff durch Luft und Feuchtigkeit und ist der Grund, warum Kupferdächer über Jahrhunderte halten. Wer sie abträgt, nimmt dem Metall seinen Schutz.
Warum werden die beiden ständig verwechselt?
Weil sie gleich aussehen und weil das Wort Grünspan im Alltag für jeden grünen Belag auf Kupfer benutzt wird. Der Fachbegriff meint aber nur das Kupferacetat. Am Bauwerk sagt man Patina, und das ist auch chemisch das Richtige.